FUSSBALL

Sonntag, 4. Juli 2010

WM 2010: Thomas Müller - vom Balljungen zum Weltmeister

Ole (Argentinien) sondert Körperflüssigkeiten ab: "Diego, der Junge heißt Müller (...) Schweiß und Tränen. Argentinien zerschellte an der deutschen Standfestigkeit und hat sich wie vor vier Jahren im Viertelfinale verabschiedet. Dieses Mal war es schlimmer - wegen der Prügel. Das Tor Müllers nach zwei Minuten traf uns erheblich, Diego fand keine Antworten und Klose machte den Sack zu."

Terra (Brasilien) bewundert die deutsche Ignoranz: "Deutschland hat Maradonas Argentinien nicht zur Kenntnis genommen und heute mit einem Massaker von 4:0 in Kapstadt seine Qualifikation fürs WM-Semifinale gesichert."

Lance! (Brasilien) hat den Weltmeister gesehen: "Deutschland spielt nicht wie früher. Es ist schnell, zielstrebig und geschmeidig. Deutschland steht im Halbfinale als größter Favorit auf den Titel."

Daily Mail (England) verabschiedet sich vom Mutterland des Tangos: "Diego verprügelt. Fabelhafte Deutsche tanzen ins Halbfinale."

Der Tagesspiegel über Thomas Müller: "Maradona, der ihn im März in München noch für einen Balljungen gehalten hatte, wird diesen jungen Mann nie wieder vergessen können."

The Guardian was amused, als eine Dame auf der Tribüne gezeigt wurde: "Thank you, my BBC! ''I'm not sure whose wife she is, but I'd guess she's a WAG', says the commentator, reports Tom Wade of the British coverage. That's Charlize Theron! Nice commentary, BBC! Actually, who is this commentator?"

Freitag, 2. Juli 2010

WM 2010: Kalter Entzug

Es ist Mittwoch, kurz vor 16 Uhr. Ich gehe zum Kühlschrank, doch es ist kein Bier drin. Wütend knalle ich die Tür wieder zu, flätze mich vor den Fernseher, fürchte mich vor Reinhold Beckmann, freue mich auf Mehmet Scholl.

Die Tageschau beginnt, die kommt doch sonst erst während der Halbzeit! Überträgt doch wieder das ZDF? Nein, da duellieren sich ein Herr Wulff und ein Herr Gauck, nie gehört, wo sind die denn Trainer?

Kalter Schweiß bricht aus, das Herz beginnt zu rasen, ich gehe auf den Balkon, blase in meine Vuvuzela, doch keiner antwortet im Hinterhof. Seltsame Stille über Berlin. Ich versuche - wie am letzten Sonntag - "God save the Queen" auf der Plastiktröte zu blasen, aber mir fehlt die Kraft, ich kriege kaum einen Ton raus.

Setze mich aufs Sofa, immer noch diese beiden Trainerclowns, drumherum Spielermütter und Funktionäre. Hey, hier stimmt doch was nicht. Ich suche einen meiner elf WM-Spielpläne, hatte vorher alle Szenarien durchgespielt, aber damit habe ich nicht gerechnet, kein Fußball heute? Gab es etwa ein Attentat auf den Fifa-Präsidenten Sepp Blatter? Egal, "the games must go on!"

Da, endlich, unter einem Stapel Socken und Trikots finde ich den WM-Timer. Das Viertelfinale geht los am ... am Freitag erst, zwei Tage ohne Fußball!

Montag, 28. Juni 2010

WM 2010: England, das Großmutterland des Fußballs

The Sun scheint so konsterniert zu sein von dem 1:4, dass die Postille bar jeder Kriegsrhetorik geradezu sachlich kommentiert: "England wurde von einem deutschen Team mit acht Spielern unter 26 total deklassiert. Männer gegen Jungs – und die Jungs haben gewonnen. Klar, England hatte Pech, als Lampard sein Treffer verweigert wurde, der deutlich hinter der Linie war. Aber wir wurden von den Deutschen so vorgeführt, dass es auch 7:2 hätte stehen können, und niemand hätte sich beschwert."

Der Evening Standard huldigt einem großen Namen: "Trauriges England wird von Deutschland er-müllert."

The Mirror sah Kuscheltiere auf dem Platz: "Three Lions? Wir waren eher wie drei Kätzchen."

Die italienische Repubblica geht kritisch mit dem Trainer der Kätzchen ins Gericht: "Capello, eine historische Demütigung. Deutschland zerstückelt England. Für die englischen Löwen ist dies das schlechteste Ergebnis in einer WM. Ein italienischer Coach hat das schlimmste englische Desaster in der Geschichte der WM zustandegebracht. Kein einziger englischer Spieler bleibt von dem brillantesten Deutschland aller Zeiten verschont."

Die deutschen Kicker sind jetzt aber wirklich auf Jahre unschlagbar, gestern sagte nämlich der prä-senile Udo Lattek im Doppelpass: "Die Mannschaft hat unheimlich viel Potenz."

"Kießling für Gomez!" hoffte mein lieber Freund Holger, leidenschaftlicher Bayern-Hasser, als Stefan Kiesling in der 83. Minute zum Wechsel bereit an der Seitenlinie stand. Elf Minuten zuvor erst kam Mario Gomez ins Spiel. Doch Holger hoffte vergebens auf die Höchststrafe für den lethargischen Bayern, Magic Mesut Özil nahm den verdienten Applaus der Fans entgegen.

Sonntag, 27. Juni 2010

WM 2010: Wie Torhüter beim Elfmeterschießen tricksen

Deutschland - England, das riecht nach Elfmeterschießen. Und eigentlich ist die Sache für den Keeper - es sei denn, es handelt sich um einen Engländer - ganz einfach: Stell dich auf eine Seite des Tores, biete dem Schützen eine Ecke an, und du hältst fast jeden Schuss, zumindest deutlich mehr als vorher, wie die Sportpsychologen Professor Matthias Weigelt (Universität Saarbrücken) und Professor Daniel Memmert (Deutsche Sporthochschule Köln) herausfanden.

Sie überprüften in ihrer Studie "Einfluss bewusster und unbewusster Hinweise auf Fußball-Experten und Fußball-Novizen", wie sich Gesten und die Position des Keepers auf der Torlinie auf den Elfmeterschützen auswirken. 81 Probanden, 41 Fußball-Experten und 40 Fußball-Novizen, schossen jeweils 54 Elfmeter und wurden dabei mit unterschiedlichen Ausgangspositionen und Verhaltensweisen des Torwarts konfrontiert.

Die Ergebnisse sind erstaunlich. Schon eine kleine vom Schützen nicht bewusst wahrgenommene Verschiebung von etwa zehn Zentimetern des Torwarts nach links oder rechts bewirkt, dass Fußball-Anfänger in drei von vier Fällen genau in die vermeintlich offen angebotene Ecke zielen. Bei Könnern ist dieser Effekt mit vier von fünf Fällen sogar noch deutlicher. Verstärkt wird dieses Verhalten, wenn der Torwart mit der Hand noch zusätzlich in die entsprechende Ecke zeigt. Auch das Wandern des Torhüters nach rechts oder links veranlasst den Schützen zur gleichen Reaktion - selbst wenn sich die Torhüterposition dadurch nur um drei Prozent verändert und somit vom Schützen überhaupt nicht bewusst wahrgenommen wird.

Jeder Torhüter kann also durch sein eigenes Verhalten den Schützen so beeinflussen und irritieren, dass zumindest die Wahrscheinlichkeit eines gehaltenen Elfmeters steigt. Vor vier Jahren sicherte der mittlerweile legendäre Spickzettel Jens Lehmann und der deutschen Nationalelf im Viertelfinale den Sieg gegen Argentinien.

Quelle: Deutsche Sporthochschule Köln

Donnerstag, 24. Juni 2010

WM 2010: Zwei Züge treffen aufeinander

The Guardian zum Klassiker im Achtelfinale: "Die gute Nachricht: England ist weiter. Die schlechte Nachricht: Nächster Gegner ist Deutschland."

Marca: "Ein tödliches Aufeinandertreffen. England und Deutschland: Zwei Züge treffen aufeinander."

Repubblica: "Ganz England wusste es. Früher oder später hätte die Nationalmannschaft Deutschland auf ihrem Weg getroffen. Das Duell wird früher als erwartet stattfinden, schon im Achtelfinale, doch wenn man in den Krieg ziehen muss, ist es besser, das sofort zu tun."

Sonntag, 20. Juni 2010

"Va te faire enculer, sale fils de pute!"

"Va te faire enculer, sale fils de pute!" So sprach laut der französischen L'Equipe Nicolas Anelka zu seinem verehrten Trainer Raymond Domenech.

"Wir können vor einem Elfmeter keine Mannschaftssitzung einberufen", bedauerte Bundestrainer Joachim Löw nach dem 0:1 gegen Serbien, als Lukas Podolski einen Elfmeter sanft in die Arme des gegnerischen Torwarts geschoben hatte.

"Wir spielen den schönsten Fußball, haben die schönsten Spieler und wissen, wie wir unsere Frauen behandeln müssen." Narziss Lionel Messi aus Argentinien hat tief in den Spiegel geschaut.

"Ich bin Pavlos, und ich muss auf Toilette", sprach Pavlos Joseph zu David Beckham, nachdem er sich nach dem Spiel England - Algerien in die Kabine der Three Lions verirrt hatte.

"Nach den Leistungen von Spanien, Frankreich, England und auch Deutschland können wir erneut Weltmeister werden", sinnierte Italiens Vincenzo Iaquinta. Oder nicht eher Mexiko?

Freitag, 18. Juni 2010

Public Viewing mit den Worten eines Sportsoziologen

"Public Viewing ist eine außeralltägliche, zeitlich und räumlich begrenzte Sonderwelt mit quasi-religiösem Charakter. Gemeinsam wird zum Versammlungsort prozessiert, werden religionsähnliche Symbole gezeigt, Reliquien getragen, Rituale praktiziert, Gesänge angestimmt und auf ein ekstatisches, gar transzendentes Aufgehen in der Masse gehofft."

So schön definiert der Frankfurter Sportsoziologe Professor Robert Gugutzer Public Viewing.

public_viewing

Foto: Wikipedia

Donnerstag, 17. Juni 2010

Schweiz in Ekstase nach dem 1:0 gegen Europameister Spanien

Wenn die Schweizer mal so richtig jubeln und vor Freude geradezu besoffen sind, quasi das Euphoriegaspedal durchtreten, dann sieht das so aus wie in der Neuen Zürcher Zeitung: "Ein Sieg der Nüchternheit. Die Schweiz gewinnt im Bewusstsein ihrer Mittel 1:0 gegen Spanien."

Dienstag, 15. Juni 2010

WM 2010: Gespenst von Mantovani flieht vor Alcaraz

Der Tagesspiegel über Manuel Neuer: "Der Schalker trug ein grasgrünes Trikot, was ihn leuchten ließ. Sonst hatte er nicht viel zu tun. Ein bisschen wirkte er wie einer der vielen südafrikanischen Volunteers, allerdings einer, der ein Tor bewachte, wo niemand hindurch wollte."

The Sun über Italiens Austaktspiel : "Flucht vor Alcaraz. De Rossi spielt die 'Sie-kommen-aus-dem-Gefängnis-frei'-Karte. Der Weltmeister brauchte einen Ausweg, nachdem Antolin Alcarazs Kopfball Paraguay in Führung gebracht hatte."

The Guardian im min-by-min über das Vorspiel bei Deutschland - Australien: "The national anthems: Both good lungbusting songs, but they appear to have been arranged by the ghost of Mantovani. Maybe that's unfair. Nelson Riddle. Some very smooth string arrangements. Very lush."

Montag, 14. Juni 2010

Kantersieg, aber kein Stängeli: Deutschland - Australien 4:0

"DFB-Elf feiert Kantersieg gegen Australien" - so titelt heute Spiegel online. Grund genug für die Bademeisterin, hinter die Kulissen zu blicken.

Der Kantersieg hat seinen Ursprung im Reitsport. Kanter oder Canter ist eine Dreischlag-Gangart, bei der das Pferd je nach eingeschlagener Richtung mit dem linken oder rechten Vorderbein führt. Dieser leichte Galopp dient dem Auflockern und Entspannen junger Rösser. Canter ist die Kurzform des "Canterbury gallop", hergeleitet von den Pilgern, die dereinst nach Canterbury ritten. Und weil der Galopp so locker-flocker ist, heißt ein leicht herausgespielter Sieg Kantersieg.

Ein Stängeli indes haben die deutschen Kicker verpasst. In der Schweiz wird der Begriff Stängeli beim Fußball oder im Eishockey verwendet, wenn ein Team zehnmal einnetzt. Der Begriff kommt vom Tischfußball, bei dem am Zählrahmen, dem Stängeli, 10 Tore angezeigt werden können.

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